31. Oktober 2010

Was sagt Ihr dazu?


WELT AM SONNTAG
Ein Wort zur Menschenwürde

"Armenpflege" war gestern, heute gibt es "Leistungsempfänger". Gerd Habermann glaubt, dass unsere Sprache ein falsches Verständnis von Solidarität spiegelt

Von Gerd Habermann
...
"Aber mit dem sich ausbreitenden gesetzlichen Mindestlohn, den unabdingbaren Lohntarifen oder gar einem bedingungslosen Grundeinkommen wird gerade der entgegengesetzte Weg begangen. Niemals sollte es menschenunwürdig sein, sich seinen Lebensunterhalt selber verdienen zu müssen, sei es mit Schuhputzen, Brötchenaustragen oder Straßenfegen."..........

18 Kommentare:

  1. es sollte aber auch menschenfreundlich möglich sein, frei entscheiden zu können WAS ich arbeite, WANN ich mich weiterbilde, WIE ich mich weiterbilde! ein schuhputzer - um mal dieses beispiel aufzugreifen - kann ein freiwilliger schuhputzer sein, wenn er nicht schuhe putzen MUSS... dank eventuellem bedingungslosem grundeinkommen.bedingungsloses grundeinkommen schließt ein "sich seinen lebensunterhalt verdienen" in keiner weise aus. ich frage mich ernsthaft, wie sie dieses haltlose argument jedes mal einbringen können, wenn es doch so absurd erscheint.

    AntwortenLöschen
  2. Aha. Niemals sollte es menschenunwürdig sein, dass sich der Mensch Nahrung, Kleidung und Unterkunft beschaffen muss. Dafür musste der Mensch schon immer etwas tun, wenn er überleben wollte.
    Ein Kind kann es nicht selber, Alte können es oft nicht mehr, Behinderte brauchen Unterstützung, Kranke auch. Darauf bereitet eigentlich die Zeit vor, in der ein Mensch Kind ist. Fürsorge, füreinander sorgen, wenn es nicht anders geht.
    Das ist die eine Seite.

    Die andere Seite ist, dass sich kein Mensch mehr alles einfach so beschaffen kann. Deshalb sind wir ja zivilisiert, haben Staatsgebilde und vieles mehr. Darum auch wird gerne so wie beschrieben, dahergeredet, damit die Leute vergessen, dass sie nicht einfach hingehen können, in den Wäldern hausen, sich selber ihr Menschenrecht auf Überleben beschaffen und es auf diese Art versuchen. Ja nichts provozieren, also muss von Zwangsmassnahmen geredet werden, damit keiner auf dumme Gedanken kommt.

    Es ist das übliche Geschwätz, um jedes Eigenrecht und den Gedanken daran der Menschen abzuwürgen.

    Es spricht grundsätzlich nichts dagegen, etwas tun zu müssen, denn in der freien Wildbahn müßte man es auch. Aber, es spricht viel dagegen, Menschen zu etwas Bestimmtem zu zwingen, und das dauerhaft, weil es offenbar zu wenig Arbeit gibt, zu wenig Willen zu etwas Menschlichem.

    Wir werden gerade wieder ausselektiert, still und leise, damit es nicht auffällt. Behinderte und Kranke haben kein festes Anrecht mehr auf menschenwürdige Versorgung, wenn die Ärzte weitere Patienten ablehnen - zum Beispiel. Und schon reicht Hartz IV nicht mehr - nicht einmal zum Notwendigsten - wenn so Einiges an Notwendigkeit selber beschafft und aus dem schmalen Budget bezahlt werden muss.

    Keinen regt das auf - weder die Krankenkasse, noch andere - man wird vertröstet, und das war es dann. Menschen die niemand haben, der ihnen beisteht in solchen Lagen - ich mag gar nicht daran denken.

    Es ist dummes Geschwätz, um sich jener vollends zu entledigen, die als so lästig gelten, weil sie zu nichts mehr gezwungen werden können.

    Es ist der unwürdige Umgang mit dem gesamten Thema, was viele Betroffene zermürbt.Aber, das soll es wohl auch, wer es nicht abkann, der kann ja die Sterbehilfe in Anspruch nehmen vom letzten Rest des Hartz IV Betrages.

    Oder, vom bedingungslosen Grundeinkommen, um dessen Höhe auch schon geschachert wird. Trotzdem, es wäre vermutlich besser, als das entsetzliche Zwangssystem, das bisher existiert, vorausgesetzt, es wäre wirklich abgeschafft.

    AntwortenLöschen
  3. zwecklos und vergebene liebesmühe. der ganze artikel ist ein riesen haufen müll. der hat hier nichts zu suchen. nur weil bge drin vorkommt, heißt das nicht, dass da eine ernsthafte diskussion losgetreten werden könnte.

    aber hier mal ein paar eckpfeiler:
    1. der habermann redet von der menschenwürde, aber er sagt in keinem satz, was das sein soll. er redet über ein leeres wort. wenn er schon begrifflich arbeiten will, dann gehört es sich für einen guten wissenschaftler, auch entsprechende definitionen anzugeben.

    2. der habermann diskriminiert kinder, behinderte, alleinerziehende mütter, menschen, die mtl. erfolglos 100 bewerbungen abschicken und noch einige andere, die unterstützung verdienen.

    3. der habermann meint zuerst, menschenwürde sei unabhängig von der existenzsicherung (von wohlstand). dann, plötzlich, korreliert beides nicht miteinander, und schließlich gehört zur menschenwürde "auch" noch was anderes. ja wie nun? unabhängig, nichtkorrelierend oder doch nicht unabhängig? der weiß doch gar nicht, was er da schreibt.

    4. begriffsmanipulation. jede ernsthafte diskussion enthält wertneutrale begriffe. es ist nur wünschenswert, wenn neutrale begriffe verwendet werden.

    5. habermann ist polemisch ("geschacher") und wertend ("eine wunderbare karriere").

    6. habermann meint, der mensch müsse leiden, damit er angespornt wird. das verstößt gegen die in allen kulturen geltende goldene regel.

    7. habermann meint, dass sich jemand schämt, der auf andere angewiesen ist. logisch folgt sogar, dass diese person keine menschenwürde, wenn man habermann im wortlaut ernst nimmt. tatsächlich sind hartziv-empfänger froh, wenn ihnen geholfen wird. jeder ist für hilfe dankbar. falscher stolz gehört vielleicht in ein anderes von patriarchalischen strukturen geprägtes jahrhundert.

    AntwortenLöschen
  4. Der feine Herr Honorarprofessor ist eine Schande für dieses Land.
    Dies sind die Realitäten:

    http://www.zeit.de/2010/40/Leben-mit-Hartz-IV

    AntwortenLöschen
  5. In der Bibel, der heiligen Schrift aller Christenmenschen steht geschrieben:

    "Wer nicht Arbeitet der solle auch nicht Essen !"

    Für mich ist ganz klar das jeder Mensch durch eigene Leistung und Arbeit für seinen Unterhalt zu sorgen hat und nicht der Staat oder die Allgemeinheit. Mit Sozialsystemen und Almosen subventionieren wir doch geradezu die Faulheit.

    AntwortenLöschen
  6. Weil eigene Leistung nicht - oder nicht leistungsgerecht - entlöhnt wird, braucht es eine Basis-Entlöhnung – das bedingungslose Grundeinkommen - durch das Staatssystem. Wenn die Grundversorgung automatisiert wird, spart dies volkswirtschaflich enorme Kosten: Niemand muss kontrollieren oder abwägen oder urteilen, welche Leistung wann erbracht wurde und wie viel wert hat. So, wie im Körper jede Zelle mit Nährstoffen bedingungslos versorgt wird – ob sie arbeitet oder nicht (vgl. Embryonale-Stammzellen!) – würde das BGE jeden Einwohner zu Leistung befähigen. Biologische Systeme sind reife Systeme. Es lohnt sich ihrem Beispiel zu folgen.

    AntwortenLöschen
  7. @Irene

    Ein wunderbar anschauliches Beispiel ...

    AntwortenLöschen
  8. @1. November 2010 12:07

    Ganz toll. Denk über Deinen Satz mal richtig nach. Bis in die letzte Konsequenz. Wo siehst Du Dich dann dabei??

    ps.: Aber nicht die Bibel zu Hilfe nehmen

    AntwortenLöschen
  9. .
    Aus Lemuria erhielt ich gerade eine

    Durchsage:

    Sehr viele sind mit Dir, liebe Susanne.

    Licht und Liebe auch aus Lemuria

    für Deine Anhörung.

    LG

    Klaus

    AntwortenLöschen
  10. "Für mich ist ganz klar das jeder Mensch durch eigene Leistung und Arbeit für seinen Unterhalt zu sorgen hat und nicht der Staat oder die Allgemeinheit. Mit Sozialsystemen und Almosen subventionieren wir doch geradezu die Faulheit."

    aha, und was macht der behinderte, der es nicht kann? soll er sterben? und was macht der kranke, der sich bei der arbeit ein bein gebrochen hat? und und und.

    außerdem nenne mir einen einzigen menschen, der für sich ganz allein sorgt, nur einen einzigen, den werde ich dir mit freuden schenken!

    du backst bestimmt dein brot allein und nähst dir deine kleider, du baust dir dein eigenheim und erzeugst selbst deinen eigenen strom. du bist ja unabhängig von anderen ein eigenes für sich allein leistendes wesen?

    AntwortenLöschen
  11. Gut, dass der Anonymus anonym bleibt, denn er hat nichts begriffen. "Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen" - wohl wahr unter menschlichen Umständen. Heißt das doch zu deutsch, man soll nicht auf Kosten anderer leben! Heute, wo Arbeitsplätze der Profitrate wegen dorthin ausgelagert werden, wo Menschen sich mit Hungerlöhnen abspeisen lassen müssen, bleiben ihrer Arbeit beraubte Menschen zurück, die sich dann bereitfinden sollen, für Hungerlohn die Schuhe Anderer zu putzen. Davon dürfen die professoralen Klugscheißer träumen! Sie sehen immer nur die eine Seite, und kommen nie auf die Idee, die Räuber im Nadelstreifen zur Scham aufzurufen, die sich, ganz anders dimensioniert, auf Kosten der Allgemeinheit, der noch Steuern zahlenden, der Arbeitenden ein "schönes Leben" machen und staatlich geschützt Schätze sammeln. Heute müsste die Losung doch heißen: Wer nicht (zu anständigen Bedingungen) arbeiten darf, soll wenigstens essen. Es heißt auch: der Mensch lebt nicht vom Brot allein! Menschenwürde ist kein absoluter Wert, der dem Menschen an sich schon zukäme, sondern von den gesellschaftlichen Umständen abhängig. Und da kann es schon ein Akt der Wahrung von Menschenwürde sein, wenn Einer sich weigert, ein prekäres, menschenunwürdiges "Arbeits"-Verhältnis einzugehen. In diesem Sinne ist der Kampf für ein bedingungsloses Einkommen nichts weniger als zeitgemäß!

    AntwortenLöschen
  12. Wunderschöner Satz, lieber Jost Aé: "Heute müsste die Losung doch heißen: Wer nicht (zu anständigen Bedingungen) arbeiten darf, soll wenigstens essen" - Vielen herzlichen Dank !

    AntwortenLöschen
  13. Herr Habermann
    Als Wissenschaftler verdient man doch ganz gut in diesem Staat. Ist es vielleicht Angst,dass durch das BGE, ihnen zuviele neue Konkurrenten erwachsen könnten,und sie dann nicht mehr so viel Geld verdienen würden? das Sie so einen "Müll", von sich geben?
    Ich habe nur eine Frage an Sie?
    Wenn Sie, nur noch so viel verdienen würden, wie z.B ein Schuhputzer,Müllmann,etc., würden Sie auch als Schuhputzer dann ihre Brötchen verdienen wollen?
    Ich kenne Müllmänner,die sehr froh wären, wenn sie ,durch das BGE, nicht mehr gezwungen wären, diesen Job(Geldverdienen müssen)ungern machen zu müssen.

    AntwortenLöschen
  14. In der Altenpflege werden in den nächsten Jahren immer mehr Stellen frei, weil es stets mehr Pflegebedürftige gibt. Die Hartz 4 Empfänger sollten sich einfach umschulen lassen.

    AntwortenLöschen
  15. Natürlich werden die Menschen mit einem BGE weniger Arbeiten. Aber was ist schlimm daran ?

    Seit 1970 hat sich die Produktivität vervierfacht, wenn die Menschen als nur halb soviel arbeiten würden wie jetzt dann würde bei einer gerechten verteilung der Güter immer noch ein beachtliches Wohlstandsniveau vorherschen. Zudem mehr freizeit um sich um Kunst, Familie, Philosophie etc zu kümmern und so ein besseres Leben zu leben.

    Im Moment geht doch ein Großteil von dem was wir erarbeiten an eine kleine kapitalistische Elite die sich den Großteil des produzierten Wohlstandes unter den Nagel reißt. Eine halbwegs gerechte verteilung würde dafür sorgen das die gesellschaft auch mit weniger Arbeit auskommen kann.

    AntwortenLöschen
  16. "In der Altenpflege werden in den nächsten Jahren immer mehr Stellen frei, weil es stets mehr Pflegebedürftige gibt. Die Hartz 4 Empfänger sollten sich einfach umschulen lassen."

    1. siehe art.23 der menschenrechte und art 12 des gg's. was du vorschlägst, ist geht gegen unveräußerliche menschenrechte. freie berufswahl sollte für alle gelten.

    2. altenpflege sollten menschen machen, die gut mit alten menschen umgehen können, menschen, die eben für diese arbeit geschaffen sind.

    3. dass die stellen in der altenpflege nicht nachbesetzt werden, liegt auch nur an der inaktraktivität der sparte. es gibt zu wenig geld und zu viel arbeit. warum sollen menschen dazu gezwungen werden und warum sollte sich gar nichts an den arbeitsbedingungen ändern? der mensch passt sich doch nicht der arbeit an, sondern die arbeit ist nur mittel zum zweck. arbeitgeber in der altenpflege verdienen sich dumm und dämlich, wenn sie staatliche unterstützung bekommen (heißt nur eben nicht hartziv, ist aber dasselbe), aber ihre arbeitnehmer sehen von dem geld nur einen viel zu geringen anteil.

    4. was würden sich die armen alten menschen freuen, wenn sie merken, wie sich ihre pfleger über sie ekeln, weil sie zu dieser arbeit gezwungen werden. da möchte ich gewiss nicht alt sein. ich würde im alter auch gern würdevoll behandelt werden!

    5. stelle mir gerade vor, wie sich ein hochschulabsolvent, der 3 jahre abi, 3 jahre bachelor und 2 jahre master hinter sich hat, fühlt, wenn er nach diesen 8 jahren noch ne umschulung zur altenpflege machen muss, weil er hartziv bekommt. dann hätte der aber ne menge zeit in den sand gesetzt, LEBENSZEIT! nee, sry, das kann ich beim besten willen nicht nachvollziehen. ein leben lang lernen und dann noch nen arschtritt hinterher.

    AntwortenLöschen
  17. Habermanns Artikel wird sehr gut beim Spiegelfechter (blog von Jens Berger)auseinander genommen:

    http://www.spiegelfechter.com/wordpress/4424/kognitive-dissonanzen-eines-libertaren#comment-89498

    AntwortenLöschen
  18. Kornelia GaberNov 4, 2010 03:10 AM

    Ich finde kaum Worte, für diesen geistigen Unfug.
    Herr Habermann suhlt sich in seiner Selbstherrlichkeit, er titt Menschen,die schon am Boden liegen, mit Füßen.
    Herr Habermann ist einfach nur ein sehr armer Mensch, der wirklich Hilfe braucht. Er tut mir nur noch leid.

    AntwortenLöschen