26. Oktober 2010

Streit der Woche: Macht Grundeinkommen faul?


Unter der für mich seltsam klingenden Rubrik "Streit der Woche" , schreibt ALEM GRABOVAC am 26.10.2010:
"Macht das Grundeinkommen faul?
Geld für alle, ohne Gegenleistung: Das verspricht das Grundeinkommen, mit dem sich der Petitionsausschuss des Bundestages beschäftigt - eine verrückte Idee? ""
Vielleicht wollt Ihr ja gerne mitdiskutieren....
Ich persönlich freue mich über jede Woche ohne Streit und die Quitten hat nichts faul gemacht, nicht der Regen, nicht der Herbst, nicht die verstreichende Zeit, und schon gar nicht das Grundeinkommen. Wir haben sie, ganz unfaul, aufgelesen.....
Entschuldigt bitte, aber diesen Satz " Macht das Grundeinkommen faul? "finde ich mittlerweile so absurd wie die Frage , verbessern lila Schuhe die Sehschärfe?
Ich freue mich auf interssante Fragen. Die gibt es wahrlich genug, aber immer die gleiche hohle Standardblödfrage macht mich wütend....

17 Kommentare:

  1. Meine Güte! Ich dachte zuerst, nun, da wirft die TAZ eine absichtlich provokante Frage in den Raum, um dann im Artikel "brav" einen Diskurs zu eröffnen. Pustekuchen, der Artikel dazu liest sich weiterhin provokativ und badet sich in den Kontras zum BGE.
    Die wollen wohl echt eine Streit anfangen, oder was? Jedenfalls sind die Leserbriefe dazu dann auch eher negativ. Voller Unterstellungen, garstigen Mutmaßungen und ja, Respektlosigkeit und Unwissenheiten.... usw. Hab mich grad auch geärgert, Susanne!
    Nun, die sollen mal bitteschön alle zu unserem Fest kommen und können da in Gespräch, Diskurs und Informationsfülle ihre Hörner abstossen, UNS zu neuen Lösungen inspirieren und erweitern dabei sogar IHREN Horizont vielleicht, hey!

    Ich lade die mal ein mit nem Leserbrief!

    Zum Beispiel schon im Artikel, die Erklärung, warum die BGE-Befürworter das BGE überhaupt wollen: "Das bedingungslose Grundeinkommen ist nun die Voraussetzung dafür, dass die Bevölkerung, unabhängig vom existentiellen Druck des Geldverdienens, mehr Zeit für soziale Tätigkeiten wie Kindererziehung oder die Betreuung alter Menschen aufwenden könnte."

    Im Grunde ja richtig, bzw. nicht falsch. Aber klar, alles andere ist uns dann Wurscht! Als wenn wir alle nix bessres zu tun hätten oder zu tun wünschen als ein Staat von Eltern und Altenpflegern zu werden. Echt, ey!

    So geht die Erklärung weiter:
    "Darüber hinaus ermöglicht das BGE jedem Menschen, ein würdevolles Leben in freier Selbstbestimmung zu führen."
    Richtig, TAZ. Und da kann jeder reinlesen, was er mag...
    Die freie Selbstbestimmung der ANDEREN, vor der haben die BGE-Kritiker doch Angst.
    Kennen die so viele "schlechte" "faule" Menschen oder haben sie das aus der BILD?
    Oder kenne ich "unverhältnismäßig" viele gute Menschen...
    Die Menschen um mich herum, die sich das gut vorstellen können mit dem BGE und die eine ganz gegenteilige Vision haben vom selbstbestimmten Leben als Faulenzen.

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  2. ich denke wohl das die einstellung das das grundeinkommen faul macht daher rührt das sich viele mal gerne auf die "faule haut" legen wollen ... und verdammt noch mal ... JA ... sie sollten das mal tun ... denn DANN haben diese menschen endlich mal zeit über den schwachsinn nachtzudenken den sie so unverholen rausblöken

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  3. Die Zahl der Grundeinkommensbeführworter wächst ;)

    Nun hat sich auch die Piratenpartei zum Grundeinkommen bekannt, siehe: http://berlin.piratenpartei.de/2010/10/24/pressemitteilung-sozialpolitik-neu-denken-berliner-piraten-fur-ein-bedingungsloses-grundeinkommen

    Allerdings denke ich wird es noch eine ganze zeit dauern bis die Menschen kapieren das sich das Zeitalter der Erwerbsarbeit dank des technischen fortschrittes immer mehr dem Ende zuneigt.

    Vor allem die Wirtschaft wird es lernen müssen denn Arbeitslose haben kein Geld um die produzierten Gürter zu kaufen. Ein Grundeinkommen schafft Nachfrage und somit auch wieder Wirtschaftswachstum.

    Bis sich diese Erkentniss durchsetzt wird es wohl noch viele Streitereien und Konflickte geben.

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  4. Ist euch eigentlich bewusst, was für ein negatives Menschenbild sich hinter dieser Frage verbirgt. Ich kann da nur mit dem Kopf schütteln. Was zum Teufel ist denn eigentlich Faulheit, wer bestimmt das? Die Regierung, der Arbeitgeber?
    Das Grundeinkommen macht nicht faul, es macht frei und lässt einem dem Raum auch mal faul sein zu dürfen ohne sich schlecht zu fühlen. Faulheit kann auch produktiv sein.
    Und überhaupt, besser ein paar glückliche Faule, als eine kranke, mutlose, depressive und ideenlose Bevölkerung.

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  5. Die Piraten finde ich echt gruselig und traue denen leider überhaupt nicht über den Weg, auch wenn sie jetzt das Thema BGE für sich entdeckt haben. Haben ja sonst kein Profil...

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  6. Also, wenn es das bedingungslose Grundeinkommen geben würde, wüßte ich schon, was ich tun würde - auch im Sinne von arbeiten, grins. Ich könnte dann das verwirklichen, was mir schon lange vorschwebt - das aber so, wie es jetzt ist, leider nicht geht.
    Wer erträgt das, was so gemeinhin Faulheit genannt wird - also total sinnlos und leer herumgammeln, überhaupt? Immerhin denkt sich Mensch doch etwas, und das ist auch Arbeit.
    Naja, kommt darauf an...
    Bis das begriffen wird, dass das alles so richtig vergötzt wird - das mit der Arbeit - das dauert. Ob ich das noch erleben werde? Ich hoffe es immerhin...

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  7. Dem Recht auf Faulheit - wie es Paul Lafargue im Jahre 1880 "forderte" - muss heute ein Recht auf Arbeit (...mit anständiger Entlohnung!) gegenüberstehen! Ohne arbeitsmarktpolitische Garantie auf einen Job, dessen Bezahlung zum menschenwürdigen Leben ausreicht, können wir der Widerlegung des Rechts auf Arbeit (...dem Recht auf Faulheit!) in einer reichen Gesellschaft nur zustimmen und zum Generalstreik aufrufen!

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  8. Warum druckt ihr euch nicht jetzt schon Spielgeld und verpflichtet euch gegenseitig, es anzuerkennen?

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  9. Das ist das was ich als Kommentar in die TAZ gesetzt habe: Dieses "immer zuerst das Schlecheste über die Menschen denken" geht mir richtig auf den Keks! Mir fällt auf, dass das auch von Politikern/Medien in der Diskussion um Bürgerentscheide eine Rolle spielt. Die Menschen sind ZU DUMM, um so wichtige Dinge wie z.B. Stuttgart21, Atomausstieg usw. selber beurteilen und gar entscheiden zu können. Natürlich macht dann auch das BGE faul!!! Ich sehe schon, "Der Apparat der politisch gewollten Meinungsmache" schlägt auch HIER um sich und trifft auf fruchtbar gemachten Boden.

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  10. Ich verstehe diese negative Beurteilung des Artikels in der TAZ ehrlich gesagt nicht. Er ist informativ und fordert heraus. Die Leserbriefe dazu spiegeln die verschiedenen bestehenden Meinungen wider - übrigens sind auch genügende Befürworter dabei. Es ist doch klar, dass viel Überzeugungsarbeit von Nöten ist und auch wichtig zu wissen wie diejenigen denken, die vom BGE (noch) nicht überzeugt sind. Auch ich als Befürworterin des BGE habe trotzdem meine Fragen und Bedenken wie sich ein Leben mit BGE gestalten lässt. Ich wünsche mir viel lebendige Diskussion darüber, keine Verurteilung oder Diskriminierung von "Nichtüberzeugten" sondern Ideen, Anregungen, Gestaltungsräume und gute Argumente.

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  11. Irgendwie verstehe ich gar nicht,warum die Gegner sich so aufregen und dagegen sind
    Vielleicht gehe ich etwas Naiv an die Sache heran, aber was interessiert mich was mein Nachbar tut.
    Wenn er meint, er muss nichts tun,dann soll er doch. Solange ICH bei dem was ich tue glücklich bin, ist mir das doch total egal...
    Und wenn alle das Gleiche haben, ist doch alles gut...

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  12. Liebe Susanne
    Bitte lass dich von solchen ewig gestrigen
    Pessimisten nicht in deinem Vorhaben entmutigen. Dieser, einmal eingeschlagene
    Weg ist der einzig Richtige, auch wenn es noch viele "wenn und aber" geben wird.
    Dieser Artikel in der TAZ kommt mir doch recht eigenartig vor.Für welche Partei steht die Aussage über 10000 Genossinnen und Genossen als Mitglieder?
    Ich sehe in diesem menschenverachtenden Artikel zur "Faulheit", einen Versuch, die zum 8.11.geplante Petition, schon von vornherein zum Scheitern zu bringen .
    Was sollte denn sonst das ganze Gerede über
    Faulheit?,das konnte doch nur dem Zweck dienen, Menschen die noch nicht vom BGE gehört haben, oder noch berechtigte Zweifel haben, zu verunsichern.
    Ich denke nicht dass die Menschen von Natur aus faul sind,dafür sind sie nicht geschaffen. 1500 € BGE sind völlig angemessen, wenn man meinenschenwürdi-ges,freies und selbstbestimmtes Leben führen will.
    Noch eine Anmerkung zu den ungeliebten Arbeiten. Die Idee mit den Robotern finde ich gut. Wenn sie schon überall die Menschen aus dem Arbeitsprozess verdrängt haben, warum sollen sie dann nicht unsere ungeliebten, aber notwendigen "Jobs" für uns erledigen?
    Ich drücke dir jedenfalls beide Daumen für den 8.11.10, denn die Zeit ist schon lange reif dafür.

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  13. Man sollte vielleicht auch mal strategisch darüber nachdenken, ob es richtig ist, Grundeinkommen in der doppelten Höhe von Hartz 4 zu fordern. Besser etwas weniger gefordert und mehr erreicht als zuviel gefordert und gar nichts erreicht. Wenn man bei Skeptikern eher gleich mit dem Einstiegsargument käme, daß das bGE den Steuerzahler keinen Penny mehr kosten würde als das jetzige "Sozial"system, dann nimmt man der gegenwärtigen Anti-bGE-Rhetorik vielleicht auch eher den Wind aus den Segeln.
    Herzliche Grüße von Christoph

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  14. Die taz kann ja alle möglichen Fragen stellen, aber ist die Frage nach der Faulheit als Folge des Grundeinkommens wirklich eine gute Frage?
    Nein, denn sie lenkt den Blick auf heutige Zustände, in denen viele schon "faul" sind. Die einen, weil sie nicht arbeiten dürfen (eine überwältigende Mehrheit der Harz IV-Empfänger), die anderen, weil sie einer unbezahlten Arbeit nachgehen wie Kindererziehung zu Hause, wie ehrenamtliche Tätigkeiten und so fort. "Faul" sind auch sämtliche Aktenschieber, das Heer unserer Verwalter, die nicht zum Sozialprodukt beitragen.
    Viel gescheiter wäre eine Frage nach unseren Visionen, nach unseren Möglichkeiten mit dem Grundeinkommen zu leben. Was kann sich daraus entwickeln, welche Kreativität kann es freisetzen, was wird aus Deutschland?
    Die Frage ist sicherlich gewollt provokant, aber konstruktive Beiträge ziehe ich vor!

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  15. So sehe ich das auch. Diese Frage ist, meiner Meinung nicht die Frage eines frisch am Grundeinkommen interessierten, keine wirkliche Frage also, sondern meinungsmachend, provokant oder ähnliches- Und sie steht in der taz. Ein Mitarbeiterstamm, Redakteurinnen, womöglich kluge Köpfe und dann diese platte Frage als "Streit" der Woche....da ist mehr drin, oder?

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  16. ich denke mal, das dass nicht sowieso schon vollkommen sedierte gehirn kaum fähig ist KEINE "idee zu produzieren", wenn es sich endlich mal ausruhen kann und unbelästigt von objekt- und begrifflichkeitswixerei der ziemlich kranken machthabenden etwas mehr frieden findet. kurz auf den punkt, ist dies meine meinung zu dieser sowieso etwas gehirnlosen gehirnfremden frage, um mal das gefühl aussen vor zu lassen und einen sprachlich gut angesehenen gegenstand bzw. ein objekt zu erwähnen.
    wir sind wirklich ganz schön im arsch, aber es bräuchte warscheinlich 500.000 georg schramms oder sowas um die scheisse mal irgendwann rausgeprügelt zu bekommen.

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  17. Der Artikel ist, wenn man die taz der letzten 15 Jahre und etwas länger kennt, nicht überraschend.

    Für die taz galt seit langem vor allem ein Spruch: "cool sein heißt: nichts wichtig nehmen".
    Deshalb scheint mir der Ton genau so, wie Du ihn beschreibst, Susanne.
    Etwa wo: "Sich für etwas Gutes festlegen - wie uncool". Das ist auch der Grundtenor hunderter Artikel. Lest einfach nach..."Lässig, zweifelnd" gilt als cool - man könnte sich ja am Ende noch mit "Gutmenschen" auf der gleichen Demo finden, usw. ...

    Leider hat das unseren sozialen Bewegungen seit Jahren, vor allem in der Kultur, geschadet. Grade weil das keine "offenen" Gegner waren...sondern Leute, die wie die taz, immer noch mit dem Bild spielen, sie wär(n) die "linke, sozial engagierte, alternative" Zeitung.
    Glücklicherweise wissen das aber inzwischen aber immer mehr (Ex-) LeserInnen der taz:).

    Man kann ja, wie hier massenhaft geschehen, Leserbriefe gegen den Artikel schreiben^^.

    Im Grunde ist das alles die x-te Wiederholung unseres generellen Problems. Die paar unter uns, die das seit Jahren sagen, wurden nicht grade ernst genommen, sondern eher von oben herab behandelt oder offen als "destruktiv" abgelehnt. Das Resultat ist manchmal Blauäugigkeit, die gelegentlich auch aggressiv wurde. Im Grunde will man beim Jubilieren nicht gestört werden, und übersieht dabei gern, daß wir leider nicht nur konservative, sondern grade auch "coole", wörtlich kalte, uninteressierte Gegner haben. Genau das ist der Ton dieses taz-Artikels, wie hunderter anderer...

    Wir haben eine wunderbare Idee. Wir haben bestimmt einige tausend überall aktive Leute für unsere Idee - und viele, noch immer zu viele "indifferente" Gegner.

    Sobald wir noch mehr Schlagzeilen in der Presse über uns sehen werden, werden solche Artikel noch zunehmen. Wir sollten nicht nur direkt beim bge widersprechen, sondern in großer Zahl genauso auch bei anderen sozialen Themen - etwa wenn ich im BR2-"Zuendfunk" oft hörte, Gewerkschaftler wären pauschal "Stalinisten". Dann lachen coole, fragile Egos leicht hämisch - und wieder ist ein Mosaiksteinchen für eine auf coolness statt einer besseren Welt für uns alle da.
    Vielleicht ist dieser aberhundertste taz-Artikel, nur diesmal direkt ums bge gehend, etwas, das viele Augen öffnet - dann wärs doch nicht schlecht.

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