21. März 2012

Wahlbewerbungsfilm 2009 beim ZDF


Am Freitag früh fahre ich los zu den Tagen der Utopie und von dort aus dann nach Köln um am Montag einen Tag bei "Ich kann Kanzler" zu verbringen.Thema dort: Welche 5 der 15 Kandidaten kommen in die Endrunde? Ich bin ja nicht konkurrenzinteressiert und gespannt wie ich das erleben werde.
Vier Kandidaten bestimmt eine Jury, eine(r) wird per Netzabstimmung weitergewählt.
Der ganze Wahlbewerbungsfilm von 2009 "Wir machen Demokratie" kann nun beim ZDF online geschaut werden. Das freut mich. Ich dachte die ZDF Mitarbeiter schneiden aus dem ganzen Material was zusammen...
Hier sind alle Kandidaten zu sehen und es können Kommentare abgegeben werden.
Jetzt will ich los in meinen charmanten Kindergarten...einen schönen Tag wünsche ich Euch, Susanne

20. März 2012

Tage der Utopie



Ich freue mich auf die Tage der Utopie: 23-27.03 2012 in Breklum

Auszug aus dem Flyer:

"Auf ein Neues. Die 2.Tage der Utopie in Deutschland finden vom 24. – 27. März 2012 wieder im Christian Jensen Kolleg,Breklum statt.
Diese Tage im März auch als Zeit übenden Lebens zu verstehen, liegt mit dem Blick auf die abenteuerlichen Wirtschaftsnachrichten der letzten Jahre nahe.
Die Themen unserer eingeladenen Referenten ermöglichen den Druck aus den Weltthemen zu nehmen und mit konkreten persönlichen Entscheidungen wieder mehr Nähe zu sich selbst und seinem jeweiligen Umfeld aufzunehmen.
Susanne Wiest fasst dies in einer einfach scheinenden Frage zusammen:
Wie wollen wir zusammen leben?
Übungen in wirklicher Demokratie, in dem der Einzelne sich einmischt. Geld so zu behandeln, dass es seiner eigentlichen
Aufgabe, wieder, näher kommt. Konfliktforschung, die den Zusammenhang erkennt zwischen Krisen großer politischer Einheiten und persönlichen Auseinandersetzungen und Lösungen beschreibt. Vorschläge zukünftiger Ausbildung, die jeden Schüler individuell für seine selbstgestellten Aufgaben vorbereitet. Dialogfähigkeit zu üben mit dem der anders denkt und glaubt. Noch grundsätzlicher: einen anderen Anfang für das Denken zu finden.
Zwischen und mit diesen Fragen Kunst zu machen.
Dies sind die betretenen Utopien der eingeladenen ReferentInnen, die Orte, die wir mit den Teilnehmern diesmal erleben wollen. "
Ich bin Samstag und Sonntag dort und freue mich auf Begegnungen, Anregungen und Gespräche.
Liebe Grüße, Susanne

17. März 2012

Wie gehts weiter?

Vielen Dank für Eure hilfreichen Kommentare und auch für die erfrischenden Mails zu meiner Frage "Was meint Ihr"

Ich habe ich entschlossen bei der Sendung mitzumachen und hier zu berichten was passiert und wie ich es erlebe.
Ich freue mich drauf.
Da ich im März und April noch andere Termine habe wird es zeitlich ein bisschen eng, aber im Frühling ist das halb so wild..

Die nette Dame aus Leipzig hat mich hier besucht und ein Vorgespräch geführt. Gestern rief sie mich an und teilte mir mit, dass ich mit 14 anderen Bewerbern in der Vorrunde bin: Es haben sich wenig Frauen beworben. Wie so oft bei politischen Themen teilte sie mir mit....

Die Vorrunde am 26.03.2012, wird zwar aufgezeichnet aber nicht als eigene Sendung ausgestrahlt. Es werden später lediglich Schnipsel davon verwendet und auch in anderen Formaten gesendet.

Von diesen 15 kommen dann 5 in die Endrunde. Vier werden von der Jury ausgewählt , eine(r) wird "vom Internet" in die Endrunde gewählt.
Falls ich in die Endrunde komme, wäre der weitere Ablauf für mich so:

Termine die ich mit vereinbaren konnte:
- 31.03: Kommt ein Team vom ZDF für so ein kleines Einspielfilmchen.
Da ich ja keine Home- oder Kindergartenstory möchte, werden sie eben draußen filmen.








Termine die feststehen und an denen wir Kandidaten Zeit haben "müssen"

-21.04: Wahlbewerbung in Berlin. Es gibt ein kleines Budget, da ich investieren kann.
Mein spontaner Gedanke dazu war: Am liebsten würde ich gemeinsam mit allen die möchten und sich für das Thema Grundeinkommen interessieren und /oder sich darüber informieren möchten mit so einem Berliner Flussboot fahren und die gemeinsame Zeit für Gespräche und Austausch nutzen. Das Budget beträgt 500€. Habt Ihr andere Ideen?

-25.04: Gespräch mit Politikern

-30.04: Aufzeichnung der Sendung mit Probetag davor (am Probetag habe ich einen Termin bis 13.15 Uhr, ganzer Probetag geht also nicht...)

Wenn es weiter geht, sind es recht viele Termine. Ich habe angeregt, dass auch die Kandidaten, die nicht weiterkommen und nicht gewinnen, eine Entschädigung für all den Aufwand bekommen. Reisekosten und Übernachtung, wenn nötig, übernimmt das ZDF. Die freundliche Dame ist freie Mitarbeiterin und trägt meinen Wunsch weiter...
Wir werden sehen

Danke an Dorothee Schulte-Basta für Ihren Besuch bei mir und die Fotos.

10. März 2012

Was meint Ihr?

Liebe Freunde, manchmal komme ich länger nicht zum Schreiben.
Nicht weil nichts los wäre in Sachen Grundeinkommen, sondern weil zu viel los ist. Ich weiß manchmal gar nicht wo anfangen mit meiner Berichterstattung. Auch gibt es natürlich Themen, die nichts mit Grundeinkommen zu tun haben und eindeutig Priorität haben. Meine Kinder, Familie,Beruf, Frühling..



Nun liegen schon mehrere Grundeinkommensberichte "auf Halde" und ich beginne mit dem was als nächstes ansteht:

Im aktuellen archiv Grundeinkommen stand lange über allen Meldungen folgender Satz, den ich bei meinem täglichen Blick ins Archiv immer mitlas:
"Termin Bewerbungsschluß: ZDF: 4.3.2012: Ich kann Kanzler Anmeldung
Wie wäre es mit vielen BGE-Kanzlerkandidaten?
"

Wenige Stunden vor vor Bewerbungschluss habe ich schnell die Anmeldeformulare ausgefüllt und ein paar Fotos hinzugefügt.

Meine Überlegung: Möglichkeit im ZDF recht oft "bedingungsloses Grundeinkommen" sagen zu können. Eine kostenlose Werbemöglichkeit im öffentlich rechtlichen Fernsehen für den Kulturimpuls bedingungsloses Grundeinkommen.
Außerdem könnte ich, sollte ich gewinnen, mir meine ehrenamtliche Grundeinkommensarbeit mit dem Gewinn, ein Kanzlermonatsgehalt (eins!), weiter ermöglichen oder zumindest etwas entspannter gestalten.

Schnell kam ein Anruf von einer freundlichen Dame. Sie fragte nach Videos und ich bat auf vorhandenes zurückzugreifen.
Etwas später ein zweites Telefonat. Es haben sich anscheinend recht wenig Frauen beworben...
Bei was habe ich mich da eigentlich angemeldet? Ich habe die Sendung auf die Wolfgang in seinem archiv so charmant hinwies noch nie gesehen.



Ich stieß auf dieses Video im Netz und dachte: "Nein, in diese Sendung passe ich mit meinem Politikverständnis nicht rein, da wird nur das Altbekannte nachgespielt"
Ich sagte das schon vereinbarte Treffen zu einem Vorgespräch ab.
Aspekte meiner Begründung:
Keine Homestory, weder bei mir Zuhause noch in meinem Kindergarten. Beides hat mit meiner politischen Arbeit nichts zu tun.
Keinen simulierten Wahlkampf im luftleeren Raum.
Keine Überzeugerei, sondern Information und Austausch..
.....



Dann eine weiterer Anruf: Das Team sei sehr einen anderen Politikverständnis interessiert,....
Morgen, Sonntag,kommt nun doch noch die nette Dame um mit mir zu sprechen. Unverbindlich.
Was meint Ihr?
Ist das eine Möglichkeit für das Grundeinkomen zu werben, oder ist das zu dämlich und kann grandios scheitern. Es steht natürlich auch noch in keiner Weise fest, ob ich in die Vorauswahl komme. Dennoch überlege ich jetzt ob das eine sinnvolle Aktion ist. Was meint ihr dazu?
Ich sage morgen auf keinen Fall zu, sondern überlege in Ruhe was ich will.
Für Eure Sicht der Dinge wäre ich dankbar.
Herzlich, Susanne

15. Februar 2012

Wie wollen wir zusammen leben? - Der Zukunftsdialog

Nun gibt es einen Zukunftsdialog, in dem Frau Bundeskanzler Merkel uns alle, erstaunlich grundsätzlich, fragt:

1. Wie wollen wir zusammenleben?
2. Wovon wollen wir leben?
3. Wie wollen wir lernen?

Auszug: "Die Kanzlerin will aber nicht nur mit Wissenschaftlern und Praktikern über Deutschlands Zukunft sprechen, sondern auch die Ideen der Bürgerinnen und Bürger und der Zivilgesellschaft kennenlernen und diskutieren. Deshalb wird dem Dialog mit den Experten ein Bürgerdialog zur Seite gestellt."
(die links sind von mir eingefügt)

Diese Aussage irritiert mich. In meinem Verständnis sind wir Bürger der Souverän in unserer Demokratie.
Dass die Zukunft unseres Landes nun "auch" mit uns Bürgerinnen und Bürgern diskutiert werden soll, wirft die Frage auf, wie das denn bislang entschieden wurde und ob unsere Demokratie wirklich funktioniert?
"Auch" mit uns Bürgerinnen und Bürgern, ist ein bisschen mager in einer Demokratie, finde ich.
Vor allem, stellt sich mir die Frage, was es denn hier sonst noch gibt, außer Bürgern. In einer Demokratie gibt es nur Bürger.

Was können wir tun, dass sich unsere Demokratie wandelt?
Was können wir tun, dass derart wichtige Fragen kontinuierlich gemeinsam und gesamtgesellschaftlich bewegt werden ?

Vielleicht ist der Bürgerdialog eine sinnvoller Schritt in Richtung "echte Demokratie" , vielleicht nur eine andere Form des üblichen Politikstils.
Hiezu ein lesenswerter Beitrag im Freitag

Ich bin gespannt.

Als ich die Frage " Wie wollen wir zusammen leben " las, fiel mir natürlich die Anhörung im Bundestag, Ende 2010 ein, in der ich diese Frage unseren Abgeordneten und unserer Bundesregierung stellte.
Diese Frage und unsere ganze Petition zum bedingungslosen Grundeinkommen wurde noch immer nicht beantwortet.

Dialog ?



Das nun exact meine Frage wieder vor meinen Füßen landet, finde ich lustig:
Hier mein Vorschlag zum Zukunftsdialog den Ihr gerne unterstützen könnt.

Zum Thema Grundeinkommen gibt es viele verschiedene Vorschläge. Fast alle in der Rubrik, "Wovon wollen wir leben"
Eine Übersicht findet ihr im aktuellen archiv Grundeinkommen. (Eintrag vom 14.02.2012)

Ein weiterer Auszug: "Damit der Bürgerdialog nicht nur auf der Onlineplattform stattfindet, wird die Bundeskanzlerin mit Bürgerinnen und Bürgern direkt diskutieren. Dies wird bei drei Bürgergesprächen Ende Februar und im März 2012 stattfinden."

Hier die Termine dieser Bürgergespräche und anderer Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem Bürgerdialog.

Liebe Grüße, Susanne

9. Februar 2012

Grundeinkommen vor dem Bundestag



Illustration: Annette Köhn

Herzliche Einladung zum Picknick vor dem Bundestag


Am Mittwoch, den 09.Mai 2012, ab 14.00 Uhr auf der Wiese vor unserem Bundestag.
Uns kennenlernen, wiedersehen, essen, trinken, so wir Glück haben in der Sonne sitzen, und uns weiter über das Thema
bedingungsloses Grundeinkommen austauschen.
Bitte bringt mit, was ihr essen und trinken möchtet
und eine hübsche Decke... bis dann,
Liebe Grüße, Susanne Wiest

Diese Picknickeinladung schicke ich an Euch alle, an die Abgeordneten und Mitarbeiter unseres Bundestages und auch an die Mitglieder des Petitionsausschusses in Verbindung mit einem Brief, in dem ich mich nach dem weiteren Fortgang unserer Petition erkundige.
Vielleicht eine gute Möglichkeit miteinander ins Gespräch zu kommen und offene Fragen zu bewegen.
Sehr gerne könnt ihr diese Einladung weiter verschicken.

8. Februar 2012

"Reif für neue Modelle" Sehenswerte Selbstkritik eines Ökonomen

Sternstunde Philosophie vom 05.02.2012
Sehr sehenswert, Dank an Daniel für den Tipp! Ich bin tief beeindruckt !
Auszüge:
"Wir wissen nicht, ob der Kapitalismus funktioniert oder nicht. Ich weiß nicht , ob Sie das auch kennen auf tschechisch sagen wir, theoretisch funktioniert das, aber in der Praxis nicht. Eigentlich sollen wir das umkehren, in der Praxis funktioniert das, in der Theorie nicht."
"Die Wahrheit liegt nicht in den Zahlen"
"Wissenschaft ist eine Ideologie"
"Sollen wir das Leben locker nehmen und nur soviel wie nötig arbeiten, oder sollen wir uns abstrampeln wie verrückt und dafür unsere Harmonie opfern ? "
"Was totalitäre Herrscher zerstören wollen sind Gefühle".... Tomáš Sedláček

"Heute kennt man von allem den Preis, von nichts den Wert." Oscar Wilde,irischer Schriftsteller (1854 - 1900)

Buch:Tomas Sedlacek: Die Ökonomie von Gut und Böse. Carl Hanser Verlag

15. Januar 2012

Was ist Arbeit / #wasistarbeit



#wasistrarbeit ? Diese Frage habe ich bei twitter in den Raum gestellt.

Antworten und Gedanken sammeln sich nun unter diesem Hashtag: #wasistarbeit

Seit ich mich intensiv mit dem Kulturimpuls bedingungsloses Grundeinkommen beschäftige, wird mir bewußt wie unreflektiert mein eigener Arbeitsbegriff war und immer noch ist.
In der Auseinandersetzung mit dem Kulturimpuls Grundeinkommen bemerke ich an mir ein zunehmendes Infragestellen und Bewußtwerden bisher vor sich hinschlummernder Bilder, Gewohhheiten und Vorstellungen.
Das betrifft nicht nur den Arbeitsbegriff.

Heute bin ich nun auf einen Text gestossen, der beleuchtet wie unser Arbeitsbegriff entstanden ist und wie fest dieser Begriff mit meiner Persönlichkeit verbunden sein kann:

"Aus Fremdzwang wird Selbstzwang"
Wie das Wachstum in die Köpfe kam von Harald Welzer

Die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommen bedeutet Entkoppelung von Arbeit und Einkommen. "Arbeit und Einkommen entkoppeln" dieser harmlose Satz rüttelt an festgefügten Vorstellungen.
Ich möchte nun auch hier und bei Facebook die Diskussion über den Arbeitsbegriff anregen und freue mich über Austausch, Eure persönlichen Gedanken, und vielleicht auch Texte , die ihr in diesem Zusammenhang empfehlen möchtet:

Was ist Arbeit?

11. Januar 2012

"Die Debatte um das Grundeinkommen"


Radiotipp heute, 11.1.12 , NDR info
Aus der Webseite des NDR:

"Die Debatte um das Grundeinkommen

Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle: Macht das Sinn - oder ist das völliger Quatsch?
Kein Mensch soll hierzulande hungern müssen. Wer selbst für sein Einkommen nicht sorgen kann, der hat Anspruch auf Hilfe. Doch um den Anspruch zu prüfen, setzt sich eine gewaltige Bürokratiemaschine in Bewegung. Das muss nicht sein, argumentieren die Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens. Ihnen schwebt ein Modell vor, bei dem jeder Bürger einen Sockelbetrag zur Existenzsicherung bekommt.
Ist das finanzierbar? Wäre das Grundeinkommen für alle gerechter und sozialer? Wie stehen die Chancen auf Realisierung der Idee?
Das Thema der NDR Info Redezeit am Mittwoch, 11. Januar 2012 um 21.05 Uhr.

Gäste:
Prof. Dr. Christoph Butterwegge, Armutsforscher, Politikwissenschaftler an der Universität Köln
Prof. Götz Werner, Unternehmer, Gründer von dm-drogerie markt und Gründer der Initiative "Unternimm die Zukunft"
Moderation: Andreas Bormann


Rufen Sie an, sagen Sie Ihre Meinung, diskutieren Sie mit unseren Experten. Unsere Telefone sind ab 20.30 Uhr geschaltet: (0 40) 44 17 77.
Für einen Anruf aus dem Festnetz fallen die ganz normalen Telefongebüren an.
"

Hier gibt es die Sendung dann zum Nachhören.
Korrektur oder Ergänzung: Nachhören eher hier

Ich bin gespannt...

6. Januar 2012

"Arbeitskrise und Grundeinkommen" ein informatives Brettspiel


Idee, Konzept, Text, Animation und Umsetzung von Jochen Isensee.
Ich möchte Euch auch die sehr informative Webseite dieses liebevollen Filmprojekts empfehlen.
Ein schöner und informativer "Spiel"film!
Vielen Dank!

Unbedingt lesen, unbedingt hören, unbedingt vernetzen

Zum Lesen:


(überzeugende Werbeaussage unserer Regionalzeitung )


Ein in meinen Augen grandioses Interview bei Zeit Online:
"Das bedingungslose Grundeinkommen macht nicht faul"

Die Gesprächspartner sind Sascha Liebermann,Philosoph und Soziologe,wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ruhr Universität Bochum, Mitbegründer der Initiative Freiheit statt Vollbeschäftigung
und Theo Wehner, ,Professor für Arbeitspsychologie an der ETH Zürich.
Die interessanten Fragen stellt Max Neufeind

Da das Interview in Gänze überaus lesenswert ist, zitiere ich hier keine Auszüge daraus.

Diese Meldung verfasste @zeitonlineleser per twitter:
"Dieses Interview über Grundeinkommen ist jetzt unser meistkommentierter Text aller Zeiten (aktuell 1231 Kommentare): http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-12/bedingungsloses-grundeinkommen-interview sh"

Zum Hören:



"An der Realität vorbei"
"VWL-Studierende fordern größere Wirklichkeitsnähe ihres Faches
Thomas Dürmeier im Gespräch mit Manfred Götzke
Die Krise kommt in den Lehrplänen der Wirtschaftswissenschaftler nicht vor, kritisieren Studierende und füllen die Lücken selbst. Sie haben den "Arbeitskreis Postautistische Ökonomie" ins Leben gerufen und bringen sich gegenseitig bei, was die Professoren ignorieren."

Auszug:
"Manfred Götzke: Finanzkrise - das ist bei uns kein Thema. Ist eigentlich schön, wenn man das von sich persönlich sagen kann, geht ja zurzeit nicht jedem so. Wenn man allerdings Erfolgswirtschaftslehre studiert und die Finanz- und Eurokrise in Seminaren einfach nicht vorkommt, der Professor stattdessen veraltete Theorien vermittelt, ja, dann ist das so eine Art Realitätsverweigerung. Man könnte auch sagen: Autismus. So sehen das jedenfalls immer mehr VWL-Studenten und -Doktoranden in Deutschland und haben deshalb den Arbeitskreis Postautistische Ökonomie ins Leben gerufen. Da bringen sie sich gegenseitig bei, was VWL-Profs ignorieren. "...

"Dürmeier: Es ist immer die Frage, auf welcher Ebene der Wandel passiert. Ich finde, glaube ich, wirtschaftspolitisch hat die Krise nur eine Wende gebracht hin zu einer stärkeren Öffnung, dass staatliches Handeln eine Rolle spielt. Das findet aber alles weiterhin im Rahmen einer starken mathematischen Debatte statt und einer starken theoriegeleiteten Debatte. Also das Grundphänomen ändert sich nicht. Wir haben weiter eine massive Verengung auf ein herrschendes Paradigma - neoklassische Modellökonomik -, und alles andere wird nicht wahrgenommen. Es gibt keine Fallstudien, es gibt keine Interviews, es gibt keine wirkliche wirtschaftsgeschichtliche Untersuchung. Die Leute lernen keine Institutionsstrukturen wirklich. Und das führt zu dieser ganz abstrakten Wirklichkeitsferne unseres Faches, dieser fehlende Realismus und diese fehlende Meinungsvielfalt."

Mein spontaner Gedanke: Das schreit nach Vernetzung und gemeinsamen wissenschaftlich/gesellschaftlichem Diskurs.
Zwischen Soziologen, Philosophen, Arbeitspsychologen, Wirtschaftswissenschaftlern an den Hochschulen und natürlich uns allen.
Meine konkrete Frage:
Diskutiert der "Arbeitskreis Postautistische Ökonomie" bereits den Kulturimpuls bedingungsloses Grundeinkommen?

Ich schicke diesen Blogbeitrag an die mailadresse des Arbeitskreises.

Was meint Ihr dazu?

Liebe Grüße, Susanne

2. Januar 2012

Grundeinkommen, Blog, Facebook und Twitter


Seit dem ich 2008 die Petition gestellt habe, arbeite ich fröhlich weiter mit den Kulturimpuls Grundeinkommen zu verbreiten und vielleicht auch zu vertiefen.
Das Internet ist ein wunderbares Demokratiemedium finde ich. Wir vernetzen uns und arbeiten zusammen.

Ich schreibe hier Blogposts, auf die ich dann bei Facebook und Twitter hinweise. Sicher ginge das womöglich technisch geschickter und eleganter, doch das kann ich noch nicht. Ich lerne beim Tun.

Über Hilfe diesen Blog etwas umzugestalten und an meine Bedürfnisse anzupassen, würde ich mich sehr freuen.

Mein bisheriger Facebookaccount ist nun "voll". Ich tausche mich mit 5000 Freunden und am Grundeinkommen Interessierten aus. Mehr Kontakte lässt Facebook nicht zu.
Sascha Lobo hat darüber nachgedacht die Freunde in FANS (FAN= Friend auf Netzwerk) umzuwandeln und so diese willkürliche 5000 Freunde Grenze aufzulösen.
Ich habe mich entschlossen einen zweiten Facebookaccount zu eröffnen:
Nun gibt es Susi Wiest und den bisherigen Account Susanne Wiest.
Ich stelle in beide die gleichen Informationen ein. Ich denke das ist nicht viel mehr Arbeitsaufwand. Wenn jemand eine bessere Lösungsidee hat, freue ich mich.

Zunehmend interessant finde ich den Kurznachrichtendienst Twitter.
Falls jemand sich neu anmelden möchte ist folgende Liste die Benjamin Hohlmann zusammengestellt hat vielleicht hilfreich: twitter-Nutzer, die dem Bedingsungslosen #Grundeinkommen positiv gegenüber stehen
Mein Twittername/account ist susannewiest
Ich freue mich auf Austausch und Zusammenarbeit und gute Ideen.



Ich wünsche Euch ein glückliches Jahr 2012.

Herzlich, Susanne

18. Dezember 2011

Für und wider Grundeinkommen im Minutentakt

Die Grundeinkommensdiskussion auf dem Piratenparteitag 2011/2 in Offenbach:

Beim Programmpunkt bedingungsloses Grundeinkommen bildete sich eine lange Schlange von Rednern quer durch den Saal. Viele Argumente für und gegen das bedingungslose Grundeinkommen.
Die Redezeit war auf eine Minute begrenzt. Im Beamerbild war eine Stoppuhr zu sehen die rückwärts lief.
Gar nicht so ganz leicht....


Hier findet Ihr eine Übersicht über die Beschlüsse des Piratenparteitags 2011/2 in Offenbach.

Ich verabschiede mich nun in die Winterpause. Etwa bis zum 06.01.12. Ausruhen, nachdenken, entspannen, Familie.

Herzliche Grüße und eine schöne Zeit, Susanne

11. Dezember 2011

Partei und trotzdem frei?


Geht das?
Diese Frage bewegt mich gerade. Sie wühlt mich sehr auf. Ich habe Sie noch nicht beantwortet.
Viele Ziele und Arbeitsweisen der Piratenpartei gefallen mir. Sie entsprechen meiner Vorstellung von Demokratie. Viele Tools ( Internetwerkzeuge), die die Mitglieder der Piratenpartei erarbeiten und/oder nutzen finde ich großartig. Sie ermöglichen eine ganz neue Form der Bürgerbeteiligung.
Und doch fühlt es sich an wie Partei und das finde ich unangenehm.
Wenn ich nicht sehr darauf achte wie ich mich verhalte, richtet sich mein Fokus nach innen.
Arbeit in der Partei, Rechtfertigung innerhalb der Partei, Hoffnungen auf die Partei, Kritik an der Partei,....

Die Partei wird zum geschlossenen Block der durch die Gesellschaft stampft. Eine Machtmasse durch Schulterschluss mit permanentem Abklopfen, ob noch alle dabei sind.
Nach dem Beschluss zum Grundeinkommen, der mit 2/3 Mehrheit angenommen wurde, gab es dann auch eine vielbeachtete und hochgelobte Mahnung und Aufgabenstellung, man müsse nun auch das überstimmte Drittel wieder mitnehmen und sich besonders um Dialog bemühen.
Diesen besonderen Fokus auf die eigenen Reihen verstehe ich nicht. Ich kann doch auch sagen: Ich respektiere und schätze Eure Meinung. Vielfalt ist eine Bereicherung.
Geht dann noch die alte Form Partei?
Auch gehört: "wie vermitteln wir diesen Beschluss nun den Menschen". Den Menschen draußen ?
Darum gefällt mir "Partei" nicht besonders, darum mein Impuls in viele Parteien gleichzeitig einzutreten und die Grenzen mit aufzulösen.

Sind die Piraten eine Partei, die das Parteien- und Blockschema rot, gelb, grün, schwarz,...mit auflösen kann, oder kommt nun einfach die frische Farbe orange hinzu?
Ich arbeite mit, bin aufgenommen in die einzige Partei meiner Vorauswahl die Doppelmitgliedschaft zulässt. Meine Lernaufgabe ist, mich von Partei an sich nicht blenden und beeinflussen zu lassen.
Ich möchte den Bereich "Partei" unseres gesellschaftlichen Lebens aber auch nicht meiden und aussparen.
Ich bemühe mich, genau wie sonst auch, um freies Denken und Handeln.
Eine Parteimeinung wirklich zuvertreten hinter der ich nicht stehe, ist mir unmöglich. Beschluss hin, Beschluss her. Ich möchte auch niemand anderen zu persönlichen Verbiegungen bewegen.
Geht dann die Form Partei noch?

Über die Aufmerksamkeit die das Grundeinkommen erhalten hat, weil sich 756 Bürger in einer Partei dafür ausgesprochen haben, freue ich mich und staune gewaltig.
52973 unverbundene Bürger, die sich offen für Einführung des Grundeinkommens ausgesprochen haben werden anders wahrgenommen.
Was ist Partei? Welche Rolle spielt die Presse?
Viele offene Fragen...
Ich lerne am Besten beim Tun.
Herzlich, Susanne

6. Dezember 2011

Heute Erstausstrahlung von "Nichts ist besser als gar nichts"

"Nichts ist besser als gar nichts".
Als mich Jan Peters im Frühjahr 2009 fragte, ob ich bei seinem nächsten Filmprojekt mitmachen möchte, war ich sehr überrascht und habe sehr gerne ja gesagt. Ich freue mich, dass der sehenswerte und warmherzige Film über "die Alternativen für die Zukunft der Arbeit" nun auch im Fernsehen kommt..
Heute, Dienstag, 6. Dezember 2011, 23.10 Uhr 3sat.

Hier der Trailer:




Dokumentarfilm von Jan Peters, Deutschland 2010
89 Minuten
Erstausstrahlung

Der Film ist auch in der Mediathek

3. Dezember 2011

Hurra! Grundeinkommen im Wahlprogramm der Piraten


Das ist nicht die Abstimmung zum Thema Grundeinkommen. Da war ich aufgeregt und wollte nicht fotographieren


via @HannahBeitzer "756 Ja-Stimmen, 374 Nein-Stimmen! Fast 67 Prozent für #BGE #piraten #bpt112"
Hurra das bedingungslose Grundeinkommen ist im Wahlprogramm der Piraten

Hier der Antrag dem wir heute zugestimmt haben

"Antragstext:

Zum Wahlprogramm der Piratenpartei Deutschland für die nächste Bundestagswahl soll folgender Text hinzugefügt werden: Bedingungsloses Grundeinkommen und Mindestlohn

Wir Piraten setzen uns für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens ein, das die Ziele des "Rechts auf sichere Existenz und gesellschaftlicher Teilhabe" aus unserem Parteiprogramm erfüllt. Es soll:

die Existenz sichern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen, einen individuellen Rechtsanspruch darstellen sowie ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Zwang zu Arbeit oder anderen Gegenleistungen garantiert werden. Wir wissen, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen die Paradigmen des Sozialstaats wesentlich verändern wird. Statt mit klassischer Parteipolitik muss dessen Einführung daher mit einer breiten Beteiligung der Bürger einhergehen.

Wir nehmen viele engagierte Menschen wahr, die sich seit Jahren in- und außerhalb von Parteien für ein bedingungsloses Grundeinkommen einsetzen. Wir wollen dieses Engagement auf die politische Bühne des Bundestages bringen und mit den dortigen Möglichkeiten eine breite und vor allem fundierte Diskussion in der Gesellschaft unterstützen.

Dazu wollen wir eine Enquete-Kommission im Deutschen Bundestag gründen, deren Ziel die konkrete Ausarbeitung und Berechnung neuer sowie die Bewertung bestehender Grundeinkommens-Modelle sein soll. Für jedes Konzept sollen die voraussichtlichen Konsequenzen sowie Vor- und Nachteile aufgezeigt und der Öffentlichkeit transparent gemacht werden.

Zeitgleich werden wir uns im Bundestag dafür einsetzen, dass noch vor Ende der Legislaturperiode die gesetzlichen Grundlagen für Volksabstimmungen auf Bundesebene geschaffen werden. Sie sollen den Bürgern ermöglichen, sowohl die in der Enquete-Kommission vorgestellten als auch andere Grundeinkommens-Modelle als Gesetzentwurf direkt zur Abstimmung zu stellen. Um dabei über eine Vielfalt an Konzepten gleichzeitig entscheiden zu können, sollen Volksabstimmungen auch mit Präferenzwahlverfahren durchgeführt werden können.

Bis zur Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens setzen sich die PIRATEN für einen bundesweiten gesetzlichen Mindestlohn ein."

Die Sozialpiraten haben gemeinschaftlich diesen Antrag ausgearbeitet. Johannes Ponader hat ihn vorgestellt und sehr gut vertreten.
Eine beeindruckende Menge an Redebeiträge .Offene Abstimmung. Wahlhelfer zählen ab. Große Spannung.
Ergebnis; 756 Ja-Stimmen, 374 Nein-Stimmen
Hurra! Angenommen mit 2/3 Mehrheit.

"Erlebnisbericht" Offenbach 1


Eine Frage an mich via facebook
"Susanne bist du eigentlich auf dem Parteitag als Delegierter ?"
Ich bin dort als Mitglied. Wie alle anderen auch. Delegierte gibt es nicht. Es ist ein Mitgliederparteitag.
Hier ein Tweet über die Teilnehmerzahl:
RT@weckgeschnappt
"Wir sind 1150 #Piraten+ in #Offenbings \o/ #BPT112"
Stand jetzt:1255 anwesende Piratenparteimitglieder
Zurzeit stimmen wir über Formalien, wie Wahlleiter und Geschäftsordnung, Protokollführer und Tagesordnung ab.
Wie wird die Reihenfolge beschlossen,in der die Anträge abgestimmt wird?
Folgende Möglichkeiten werden vorgeschlagen und dann abgestimmt:
Top 40 ,erweitertes Losverfahren und Computerwürfeln/Zufallsgenerator werden werden vorgestellt
Top40 wird ausgewählt.
Das ist eine wirklich wichtige Formalie, da ja jedes Parteimitglied einen Antrag einbringen kann und ein Weg gefunden werden muss diese Fülle auch zu bearbeiten.

Piratenparteitag in Offenbach


Ich berichte heute live, so gut ich kann, vom Parteitag in Offenbach.
Hier findet Ihr eine Übersicht die Top 40 Anträge, die in einer Internetumfrage vorausgewählt wurden. Ob es bei dieser reihenfolge bleibt, weiß ich nicht.
Aufregend, neu, ich berichte Euch.
Kommen die Anträge das BGE in das Programm aufzunehmen durch ?

27. November 2011

Grundeinkommen und Rechnen: "Die Welt lässt sich nicht berechnen"



"Bedingungsloses Grundeinkommen?"

"Wurde schon ausgerechnet, ob das geht? Nein? Dann beschäftige ich mich nicht damit."

"Wenn Sie das nicht vorrechnen können, dann geht das auch nicht."

"80 mio. Bürgerinnen und Bürger mal 1500€ ? Das ist doch nicht Ihr Ernst?"

"Es gibt keine Berechnung die mich überzeugt, daher unterstütze ich Grundeinkommen nicht."

In vielen Gesprächen und Diskussionen, die ich erlebe, oder im Netz mitverfolge, liegt ein großer Fokus auf der Berechenbarkeit.
Manchmal wird das Thema zwar als interessant empfunden, gleichzeitig aber als unseriös eingeschätzt wegen der fehlenden, klaren Berechnung.

So ein Ruf nach Berechenbarkeit zieht oft viel Aufmerksamkeit auf sich und wirkt verantwortungsvoll und seriös.
Seriös ist was schon gerechnet wurde.
Berechenbarkeit als Garant für Umsetzbarkeit?



Heute bin ich auf folgenden Artikel in Brand eins gestoßen:

"Die Welt lässt sich nicht berechnen"

"Der Hamburger Mathematikprofessor Claus Peter Ortlieb über den mathematischen Blick auf die Welt, den Missbrauch seines Fachs durch die Volkswirtschaftslehre und die Frage, ob ein Barbier sich selbst rasiert oder nicht."

Auszüge:

"brand eins: Inwiefern hat die Mathematik unsere Sicht der Welt verändert?
Claus Peter Ortlieb: Sie hat eine ungeheure Bedeutung. Heute macht man sich das nicht mehr klar, weil wir die moderne Beschreibung der Welt verinnerlicht haben und für selbstverständlich halten. Doch der mathematische Blick ist letztlich erst im 17. Jahrhundert entstanden, als Galilei die These aufstellte, die gesamte Welt funktioniere nach mathematischen Gesetzen und lasse sich mit der Sprache der Mathematik beschreiben, erklären und berechnen. In dieser Zeit ist von den Mathematikern sehr vieles zum ersten Mal gemacht und gedacht worden, was wir bis heute in Mathematik und Naturwissenschaften machen und denken. In der Vormoderne kam die Gesellschaft ohne Gott und die Erklärungsmuster der Religion nicht aus. An deren Stelle trat die mathematisch-naturwissenschaftliche Betrachtung der Welt, die Gott zur Privatsache machte. Inzwischen ist die mathematisch-naturwissenschaftliche Deutung der Dinge konkurrenzlos. Was nicht berechtigt ist.

Warum?

Weil es natürlich ein Irrtum ist, zu glauben, man könne die gesamte Welt auf diese Weise erfassen.

Das sagen Sie als Mathematiker?

Das sage ich als Mathematiker."

......

"Die Welt bleibt also unberechenbar?

Selbstverständlich bleibt sie das. Das bedeutet nicht, dass der mathematische Blick auf die Welt per se Blödsinn ist, ganz im Gegenteil: Er ist eine echte Erfolgsgeschichte, und wir verdanken ihm viele Erkenntnisse, unsere gesamte wissenschaftliche und technische Entwicklung und die Art, wie wir heute leben. Doch die Erfolgsgeschichte ist gleichzeitig das Problem. Denn aus ihr entsteht nicht nur die Illusion zu glauben, man könne alles auf diese Weise erfassen und entschlüsseln, sondern man gerät durch diese Illusion auch noch in den Zwang, die Welt in diese Form zu pressen. Und das ist gefährlich.

Warum gefährlich?

Weil es dazu führt, dass Entscheidungen getroffen werden, die in das Leben von Menschen eingreifen. Die mathematische Methode ist längst von Wissenschaftlern fast aller Disziplinen übernommen worden und wird in allen möglichen Bereichen angewandt, wo sie eigentlich nichts zu suchen hat. Teile der Gesellschaftswissenschaften etwa begreifen sich als eine Art Sozialphysik und glauben, dass das Zusammenleben der Menschen in einer Gesellschaft nach bestimmten mathematischen Gesetzen funktioniert, die es zu erkennen gilt. Dummerweise sind gerade dort die Voraussetzungen der mathematischen Methode erkennbar nicht erfüllt. Man kann in den Gesellschaftswissenschaften nämlich keine Experimente machen, durch die Mathematik und Wirklichkeit ja erst miteinander verbunden werden. In manchen Sozialwissenschaften mag das nicht so gravierend sein, sofern dort das Verhalten von Menschen nur im statistischen Mittel beschrieben und eingeräumt wird, dass der Einzelne davon abweichen kann. Die eigene methodische Begrenztheit wird also erkannt und eingestanden. Die herrschende Volkswirtschaftslehre etwa macht das nicht. Sie missbraucht die Mathematik.

Was meinen Sie damit?

Anders als in anderen Sozialwissenschaften wird die begrenzte Aussagekraft nicht konzediert, sie wird nicht einmal mehr erkannt. Die herrschende Volkswirtschaftslehre ist eigentlich eine bloß noch mathematische Disziplin, sie erstellt mathematische Modelle, die man real nie nachbauen könnte und die trotzdem verwendet werden, um auf deren Grundlage Berechnungen anzustellen und komplexe ökonomische Vorgänge auf wenige Zahlen zu reduzieren. Auch dort wird versucht, das Reale mit dem Unmöglichen zu beschreiben. Im Prinzip ist das derselbe Vorgang, nur kann man die Ableitungen aus Annahmen des mathematischen Modells, das ja nichts anderes ist als ein fiktiver Idealzustand, nicht im Experiment mit der Wirklichkeit verbinden, so, wie es die Naturwissenschaften können. Schon aus diesem Grund ist es legitim zu bezweifeln, dass man in der Volkswirtschaft überhaupt Mathematik einsetzen darf. Dazu kommt, dass ökonomische Prozesse letztlich von Menschen gemacht werden und nie naturgesetzlich ablaufen. Menschen haben immer Entscheidungsfreiheit. In den Naturwissenschaften ist es möglich, von Gesetzmäßigkeiten auszugehen und Prozesse eindeutig determinierbar zu beschreiben, wenn ich ihre Bedingungen kenne. Sobald der Mensch ins Spiel kommt, ist das anders, erst recht, wenn sein Verhalten im komplexen gesellschaftlichen Raum betrachtet wird. Geschichte wird gemacht. Sie ist kein Naturprozess, der einfach so abläuft. Die neoklassische Lehre blendet das aus und kommt zu absurden Ergebnissen.

Zum Beispiel?

............"

"Claus Peter Ortlieb, 64, ist Professor für angewandte Mathematik an der Universität Hamburg. Der Schwerpunkt seiner Arbeit ist die mathematische Modellbildung. Er ist Mitautor des 2009 erschienenen Fachbuchs "Mathematische Modellierung - Eine Einführung in zwölf Fallstudien."

Herzlichen Dank für dieses Interview!

brand eins 11/2011

21. November 2011

Heute und morgen in Berlin....21.11.11/22.11.11


"Gerechtigkeit - nur ein Kampfbegriff?
Eine Begriffsklärung mit Philosophen, Theologen und Politikern"


Eine Begriffsklärung mit Philosophen, Theologen und Politikern

Beginn: 21. November 2011, 17:30 Uhr
Ende: 22. November 2011, 19:30 Uhr
Ort: Ev. Bildungsstätte auf Schwanenwerder
Veranstaltungstyp: Tagung
Tagungsnummer: 28/2011

Leitung: Dr. Jacqueline Boysen

Thema:

Gerechtigkeit ist ein Menschheitstraum, das Streben nach Gerechtigkeit ein klassisches Ziel politischen Handelns. Parteien, Gewerkschaften, Kirchen fordern eine gerechte Welt mit sozialem Ausgleich, vermissen oder beschwören Gerechtigkeit – doch wie definieren wir den schillernden Begriff?

Welche Erwartungen verbergen sich hinter der offenkundigen Sehnsucht nach sozialer Gerechtigkeit? Haben vermeintliche Gerechtigkeitsapostel in Europa einen politischen Mythos aufgebaut, träumt die Mehrheit der Deutschen von einem unerreichbaren Ideal – oder ist das Streben nach Gerechtigkeit eine plausible Richtschnur für politisches Handeln? Ist Gerechtigkeitsempfinden ein Gegengewicht zu ökonomischer Maßlosigkeit? Inwieweit kann der Staat für Gerechtigkeit sorgen – und welchen Beitrag können Theologen und Kirchen zu Theorie und Praxis einer gerechten Welt leisten?

Wir beleuchten den Begriff aus historischer und soziologischer Sicht, widmen uns den Vorstellungen des Alten und Neuen Testaments und lernen muslimische und jüdische Interpretationen des vielgestaltigen Gerechtigkeitsbegriffs kennen. Zudem wollen wir ergründen, welche Elemente dieser Deutungen im alltäglichen Sprachgebrauch und sozialen Wirklichkeit durchscheinen oder in der säkularen Welt verblasst sind. Wir wollen den Begriff von Menschen mit unterschiedlichem Erfahrungshorizont untersuchen lassen, aus Ost und West, von Einwanderern und Wissenschaftlern, Praktikern und Theoretikern."

Ich freue mich auf die Veranstaltung und freue mich, dass in diesem Zusammenhang auch das bedingungslose Grundeinkommen mitbedacht und mitbeachtet wird.

Herzlich, Susanne